
Das Jahr der Illusion kommt zu seinem Ende. Es gab im Jahr 2008 negative Illusionen: Diejenigen, die über Nacht verloren gingen: Der Glaube am Wert des Geldes, der Aktien, der Krediten. Und so begann eine schlimme Krise. 2008 war aber auch das Jahr der positiven Illusionen: Yes, we can! riefen Tausende, Millionen von Menschen hinter dem ersten schwarzen Präsidenten der USA. Barak Obama, der in der Nacht des 4. November zu einem der Drei Heiligen Königen, Baltasar, wurde, der zu früh gekommen war.
Um euch frohe Weihnachten 2008 zu wünschen, möchte ich den humanistischesten Geist dieser Fest aufnehmen. Und, da iche schon vom Heiligen König Baltasar gesprochen habe, benutze ich dazu den orientalsten Stil der Weihnacht, die sich in Palästina ereignete, in einer semitischen Kultur. Ich fliehe also vor den Weihnachtsmännern, den Tannenbäumen, der Schnee, der Dunkelheit... und treffe mich mit den Drei Heiligen Königen aus dem Orient: Baltasar und seinen zwei weiteren Kollegen, Melcior und Kaspar; mit den Wüsten aus Bethlehem; und mit einem jüdischen Kind, das am Ufer des Mittelmeeres zur Welt gekommen ist. Die Tür, die sich zum neuen Jahr 2009 eröffnet, ist also eine arabische Tür aus Toledo. Eine Stadt, die im Jahr 2008 ein wichtiger Ort der Erholung für mich gewesen ist. Es war mein erster Jahr weit weg von Freiburg, in Madrid, und die kleine, ruhige und wunderschöne Toledo liegt nebenan.
Bevor ihr durch diese Tür geht, lade ich euch an, die Ringparabel zu lesen. Man sagt, diese Parabel habe ihren Ursprung in Toledo, eine Stadt, wo im Mittelalter Juden, Christen und Muslime christlich miteinander gelebt haben. Boccaccio, der italienische Humanist der Renaissance, hat die Parabel aufgenommen. Und der deutsche Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing benutzte sie als Klimax seines Theaterstückes "Nathan der Weise". Sie geht um Relativismus, der Grundstein der Toleranz, die die Basis eines friedlichen Zusammenlebens darstellt. Im konkreten Fall Lessing, handelt es sich um das Zusammenleben der drei monotheistischen Religionen. Drei Kinder streiten in der Parabel um eine Erbschaft vor einem Richter. Der Richter liegt ihnen nahe, ihren Streit zu beenden und sich anzustrengen, um diese Erbschaft zu vergrössern und mit Liebe zu füllen.
Seit einem Paar Jahren unterstrich ich die Natalität als wichtiger Bestandteil der Weihnacht. Diese Natalität erinnert uns an dem natürlichen Zyklus des Todes und der Weiedegeburt. Diese Jahr hingegen möchte ich den humansten, unnatürlichsten Teil dieses Festes unterstreichen. Beobachten wir lediglich den natürlichen Zyklus, werden wir ausschliesslich die Dekadenz beobachten. Durch Zufall, mit der Zeit, ereignen sich nur die traurigen Dingen: Tod, Abschied. Abr als Menschen sind wir dazu fähig, diesen Zyklus mit den Dingen zu füllen, von denen Lessing uns spricht: Toleranz, Zusammenleben, Frieden.
Ich wünsche euch ein friedvolles Fest!
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